Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr euch zwischen zwei Wegen entschieden habt und dann, nachdem ihr gerade so weit seid, dass ihr nicht mehr zurück könnt erkennt, dass es noch einen dritten Weg gegeben hätte, der euch noch besser gefallen hätte? So ging es mir eben, als ich eine SMS bekam, die mir sagte, dass ich 2 neue Sprachnachrichten auf meiner Voicemailbox habe. Es waren eigentlich 3 und eine davon kam am Donnerstag Mittag. Es war eine Einladung zum Vorstellungsgespräch als Elektronik Montierer. Der Job, der mich am meisten in Wellington interessiert hätte und den ich so gerne gemacht hätte. Nur wusste ich das bis eben nicht. Jetzt sitze ich auf der Interislander Fähre und bin unterwegs auf die Südinsel. Ich habe mir dort ein Hostel gebucht bis Montag und ab Montag eine Bustour bis Queenstown. Es kommt halt immer anders als man denkt. Jetzt bin ich etwas enttäuscht und kann mich nicht so richtig freuen. Scheiße aber auch.
Eigentlich kommt das alles nur daher, dass ich mein USB-Kabel fürs Handy daheim vergessen habe. Denn jetzt muss ich immer mein Handy ausschalten, die Simkarte raus nehmen und in meinem Surfstick stecken. Wenn ich das getan habe, kann ich keine Telefonate und SMS empfangen und somit habe ich diesen Anruf verpasst. Erfolgreich selbst verarscht! Das war so ein super Job. Gut bezahlt, Vollzeit und mit humanen Arbeitszeiten. Außerdem etwas, dass man stolz in den Lebenslauf als Arbeitserfahrung eintragen könnte und mit dem was ich in den letzten drei Jahren gelernt habe auch locker zu bewältigen. Aber was hilft all das nörgeln? Ich habe gerade abgesagt. Es gibt bestimmt noch mehr solcher Jobs im Laufe des Jahres und ich bin ja eigentlich auch gerade erst angekommen. Die Entscheidung, die ich gestern getroffen habe war ja erst mal mehr von der Insel zu sehen und mich danach irgendwo nieder zu lassen.
Ich bin jetzt auf jeden Fall erst mal auf der Fähre nach Picton auf der Südinsel. Dort werde ich sicherlich auch einiges an Spaß haben. Und wenn ich mich dafür von einer Gondel 140 Meter in die Tiefe stürzen muss (Queenstown Bungee), in den Weiten von Abel Tasman alleine in der Natur sitze oder in Barrytown mein eigenes Messer schleife. Oder, oder, oder... Der nächste Monat wird halt einfach nur teuer, nicht so teuer wie im Sommer, aber teuer. Was soll's, das macht man nur einmal im Leben. Das Wetter ist natürlich unglaublich schön, jetzt, wo ich wieder gehe. Irgendwie kommt's mir so vor als würde mich das Wetter verarschen. Es sollte heute nämlich regnen.
Nach all diesen Zweifeln, die ich bezüglich meiner Weiterreise hatte nun wieder ein Lichtblick am nahen Ende des Tunnels der Verzweiflung. Ich bin in einem Hostel, das sich The Vila nennt. Und das nicht ohne Grund. Hier ist es einfach nur schön. Es gibt hier zwar nur wenige Betten und ich kann mir vorstellen, dass man die Einrichtung mit einer Busladung von Leuten zum Überfüllen bringt, aber das macht es ja nicht gerade unangenehm. In der Library gibts auch kostenloses Internet. Was will man mehr. Ich muss jetzt nur noch die Library finden, zumindest morgen oder so. Denn hier zählt der 2degree broadband Traffic den ich mir gekauft habe nicht. Erst wieder, wenn ich G3 Empfang habe. Aber das macht nichts, ich habe noch einige MB an normalem Traffic frei und das reicht für Mails und Facebook allemal.
Ich bin ganz zufrieden, dass ich weg bin aus Wellington, auch wenn dort vielleicht ein cooler Job auf mich gewartet hätte. Ich werde mich jetzt erst mal ausruhen, denn es scheint die Sonne und ich bin ziemlich müde von der Nacht, ich konnte nämlich erst gegen 2am einschlafen, weil die netten Engländer noch da waren und der eine Chinese sein scheiß Leselicht nicht ausgemacht hat. Ich bin zwar bei der Fährüberfahrt leicht eingenickt, aber richtig geschlafen habe ich da auch nicht. Es ist sonnig, das ist schön. Mir ist gerade aufgefallen, dass ich meine Wanderschuhe bei meinem WWOOF Job ein bisschen kaputt gemacht habe. Na Klasse. An der Seite sind in der Sohle und im Leder einige Einschnitte. Das war bestimmt der Spaten von dem man so leicht abgerutscht ist. Toll. Wie auch immer, daran kann ich jetzt nichts ändern.
Ich bin jetzt seit ungefähr 20 Stunden in Picton. Ich habe kostenloses Internet, einige Filmsequenzen gedreht, Fotos gemacht und die Sonne genossen. Man merkt, dass man hier näher am Südpol ist als in Wellington. Das Wetter ist tagsüber zwar schöner, aber Nachts arschkalt. Ich habe mit drei Decken und im Pulli im Bett gelegen.







